Mittwoch, Februar 22, 2006

Regentag

Ohne Vorwarnung verließ ich den Weg um nach links in's freie Feld auszuscheren. Hier war es weniger bequem als auf der asphaltierten Straße, allerdings schien die Sonne genauso hell durch den ansonsten trüben Himmel auf mich herab. Es war mitten im Herbst und das merkwürdige Gefühl in der Magengegend und die Gestaltung der Sträucher und Bäume am Rande des Feldes ließen auf einen frühen Winter schließen. Nur, daß es schneien würde, glaubte ich noch nicht ganz. Vielleicht im Januar, vielleicht später oder gar nicht.

Ich überquerte das Feld und stürzte mich durch die Sträucher am Rande in den Wald hinein. Obwohl ich mich langsamer bewegte als üblich, schien die Zeit davon zu eilen, spürte ich innere Hast und Aufregung. Nervös kaute ich an den Ärmeln meines Pullovers. Ich hätte mir gerne ein Bier getrunken. Da ich keines mit mir trug, zündete ich mir eine Zigarette an.

Hier im Wald schien die Sonne nicht mehr. Es war dunkel und wurde zunehmend kälter. Ich konnte es am Flug des Zigarettenrauchs beobachten. Als ich schon nicht mehr daran glaubte, etwas besonderes zu erleben, kam ich auf einen Waldweg. Es war nicht mit Menschen zu rechnen. Über mir zogen sich die Wolken zusammen. Auf dem Weg hätte ich eventuell noch eine Chance gehabt, die Sonne wiederzusehen. Doch daraus wurde nichts. Gott meinte es nicht gut mit mir und das aufkommende Gewitter ebenfalls nicht.

Ich hielt meine Füße so dicht wie möglich am Boden, was auch nichts daran änderte, daß mir der eben eingetretene, sintflutartige Regen Haare und Kleidung durchnäßte. Meine erste Enttäuschung verwandelte sich in Freude und das Unglück schien mir bald Erlebnis zu sein. Die Nässe war mir nun egal und auch die Kälte. Ich spazierte froh, verfolgt von Blitz und Donner, nach Hause, wo mich eine heiße Tasse Kaffee und ein leeres Blatt Papier erwartete.

Dienstag, Februar 07, 2006

ohne Titel

Wie fremd erschienen mir an diesem Tag die Gegenden meiner Stadt, wie bedrohlich ihre Bauwerke, wie fern mein zu Haus und wieviel ferner noch, mag sie auch geographisch hier liegen, meine Heimat.

Welch dumpfe Erinnerung war das Bild vom Lächeln meines Mädchens. Wie einsam war ich heute trotz all der gewesenen Zeit mir ihr. Wie feindlich waren die Gesichter der Menschen und wie unüberwindbar und gnadenlos die Distanz zwischen dem einen und dem anderen.

Wie unendlich tief war die Angst vor diesem großen Leben in mir, wie unheimlich die Furcht, es nicht bewältigen zu können und in ihm verloren zu gehen.

Wie bitter war die Erinnerung an vergangene Zeiten, die schönen Augenblicke meiner Jugend und wie enttäuschend das Wissen, daß viele der Menschen, die ich einst Freunde heißen konnte, vom Pfad der Glückseligkeit abgekommen und erwachsen geworden sind.